Paul Wolffs Leica-Ausrüstung und seine unveröffentlichte Autobiografie wurden in Frankfurt entdeckt. Die ersten Seiten aus der Biografie zeigt jetzt erstmals die Ausstellung "Paul Wolff 1887- 1951 - Fotografien aus Frankfurt am Main".
Vom 27. November bis zum 23. Dezember erfährt die Ausstellung "Paul Wolff 1887-1951 - Fotografien aus Frankfurt am Main", die im Sommer bereits im Alten Zollamt des Museums für Moderne Kunst zu sehen war, auf vielfachen Wunsch eine Fortsetzung im SAALBAU Bornheim.
"Begegnungen zwischen Menschen hier in Frankfurt möglich zu machen", so Dr. Andreas Eichstaedt, Geschäftsführer der SAALBAU, "ist unser Ziel und unsere Aufgabe. Zu diesem Ziel passt diese Ausstellung deshalb ganz besonders, denn sie macht vielen Menschen eine besondere Begegnung mit der Stadt, in der sie leben möglich - dem alten Frankfurt der Vorkriegszeit. Wir freuen uns deshalb, diese Ausstellung zu unterstützen und nochmals zeigen zu dürfen."
Die Ausstellung erinnert aus Anlass des 50. Todestages von Paul Wolff in diesem Jahr an den bedeutenden Fotografen der Frankfurter Altstadt.
Während ihrer ersten Station, wo sie bereits mehr als 2.000 Besucher hatte, haben sich viele Frankfurter Bürger, die eigene Erinnerungen an Paul Wolff hatten oder ihn sogar persönlich kannten, bei dem Kurator der Ausstellung, Hermann Wygoda, gemeldet. So wurde erst jetzt bekannt, dass die komplette Leica-Ausrüstung Wolffs sich seit seinem Tode in Frankfurt am Main befindet.
Auch hatte Wolff 1950, ein Jahr vor seinem Tod, eine bisher unbekannte Autobiografie in Braunfels geschrieben, deren ersten beiden Seiten in der Fortsetzung der Ausstellung jetzt erstmals veröffentlicht werden. Auch ein erst jetzt entdecktes Foto vom Fotografen selbst aus dem Jahr 1943 kann in der Ausstellung zum ersten Mal gezeigt werden.
Paul Wolff hat sich mit seiner Arbeit für die Fotografie in Deutschland große Verdienste erworben. Sowohl durch seine Fotografien, als auch durch seine Bücher und Vorträge legte er die Grundlage für viele fotografierenden Laien, die sich mit den technischen Bedingungen und den gestalterischen Voraussetzungen der Fotografie auseinandersetzen.
Aus seiner jetzt aufgefundenen Biografie geht plastisch hervor, wie er selbst sich nicht nur die fotografischen Kenntnisse selbst angeeignet hat, sondern auch durch seine Experimente dazu beitrug, das "kleine" Filmformat des Leica-Fotoapparates, der erstmals den Kinofilm benutzte, für die Fotografie praktisch nutzbar zu machen, um große Vergrößerungen herzustellen.
Die Stadt Frankfurt am Main, wo Wolff seit 1924 gearbeitet hatte, verdankt ihm mit seinen Aufnahmen ein einzigartiges fotografisches Gedächtnis ihrer untergegangenen Altstadt.
Aus dem umfangreichen Werk von Paul Wolff - allein das Institut für Stadtgeschichte hat rund 8.000 Motive archiviert - zeigen wir rund 50 Fotografien aus Frankfurt und seiner Umgebung sowie Beispiele seiner Industriefotografien. Die ausgestellten Fotos aus dem Werk Höchst der IG Farben zeigen seine Arbeit als professioneller Auftragsfotograf.
Paul Wolff hatte in seinem Unternehmen, das er später gemeinsam mit Alfred Tritschler leitete, bis zu 20 Mitarbeiter beschäftigt. In seiner Biografie schrieb er, dass er "kein Reporter" sei und er fasste seine Fotografie auch nicht als Kunst auf. Nach der ersten Station der Ausstellung wurde an dem bislang ebenfalls unbekannten Beispiel einer Reklameschrift der Reichs-Uhrenindustrie deutlich, in wie vielen unterschiedlichen Bereichen das Unternehmen tätig war.
Seine Fotografien veröffentlichte Paul Wolff in einer Vielzahl von Bildbänden, aber auch als Postkarten-Motive. Er hatte quasi eine "Bilderfabrik", wie die Zahl von rund 500.000 Fotos belegt, welche im Bildarchiv "Dr. Paul Wolff und Tritschler" in Offenburg aufbewahrt werden. Unsere Fotoauswahl zeigt sowohl "interessante" Fotos als auch solche mit "schönen" Motiven aus dem Frankfurt der 30er Jahre.
Die Ausstellung stellt die Fotos in einen aktuellen Zusammenhang zu der Stadt Frankfurt am Main im Jahr 2001. In den Unterschriften wird erläutert, wo die abgebildete Örtlichkeit war und was heute dort zu sehen ist. Zwei Stadtpläne Frankfurts aus den Jahren 1944, vor der Zerstörung der Altstadt, und aus dem Jahr 1995 ermöglichen es den Besuchern sich ein Bild von dem "alten" und dem "aktuellen" Frankfurt zu machen und festzustellen, dass diese Stadt schon immer in Bewegung und im Umbruch war.
So ist in der Ausstellung beispielsweise das IG-Farben-Verwaltungsgebäude von Poelzig im Rohbau zu sehen, in das gerade die Universität eingezogen ist oder eine Innenansicht der Großmarkthalle im Ostend, deren Verlegung in nächster Zeit ansteht, weil das Gebäude von der Europäischen Zentralbank genutzt werden wird. Schließlich wurde auch eine Aufnahme aus dem Ostend in die Ausstellung aufgenommen, die von einer Glasplatte vergrößert wurde, bevor Wolff ausschließlich mit der Leica arbeitete.
Die Ausstellung "Paul Wolff 1887-1951 -
Fotografien aus Frankfurt am Main" im SAALBAU Bornheim, Arnsburgerstraße 24, ist vom 27. November bis zum 23. Dezember täglich von 9 Uhr bis 21 Uhr geöffnet.
Der Eintritt ist frei
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