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Pressemitteilung des Stadtverbandes Frankfurter Vereinsringe e.V. zu den Plänen des Magistrats, die Mietkostenbeteiligung für die Vereine zu erhöhen:

Kulturdezernent Dr. Hans-Bernhard Nordhoff teilte im Rahmen eines Pressegespräches am 25.09.2002 öffentlich mit, aufgrund des Haushaltserlasses von Innenminister Bouffier die Mietkostenbeteiligung, die die Frankfurter Vereine bei der Anmietung von Räumen für Übungen und Veranstaltungen an die Saalbau GmbH zahlen müssen, um 20 % zu erhöhen.

Mit diesem Vorgehen werden die Vereine von der Stadt Frankfurt gleich von zwei Seiten unter finanziellen Druck gesetzt: Nach dem der Kämmerer die Zuschüsse für die Vereine um 5 % gekürzt hatte, erhöht der Kulturdezernent, der auch gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Saalbau GmbH ist, im Vorbeigehen die Mietkostenbeteiligung um 20 %. Welcher Dezernent kommt nun als nächstes auf die Idee, die Vereine zur Kasse zu bitten?

Kaum ist die Bundestagswahl vorbei, wo Vereinsmitglieder als Stimmvolk gebraucht wurden, werden die Vereine und ihre Mitglieder nun zum Stopfen der leeren Stadtkassen heran gezogen. Die schönen Sonntagsreden zur Motivation des Wahlvolks sind vergessen, die Erinnerung an Schaufensterfloskeln, wie "Die Vereine sind der Kitt unserer Gesellschaft" nur allzu schnell verblaßt.

Dieses Vorgehen könnte sich jedoch als sehr kurzsichtig herausstellen. Denn: Nach der Wahl ist vor der Wahl. Und fast jeder Frankfurter Bürger ist direkt oder indirekt mit mindestens einem Verein verbunden. Ist sich darüber auch Innenminister Volker Bouffier im Klaren? Mit seinem Erlaß zur Genehmigung des Frankfurter Haushaltes, in dem die Saalbau GmbH namentlich erwähnt ist, straft er die einzige städtische Gesellschaft, die seit sechs Jahren einen konsequenten Sparkurs fährt, ab. Und Kulturdezernent Dr. Nordhoff gibt diesen Druck direkt an die Vereinsmitglieder, die Bürger der Stadt Frankfurt weiter. Genauso wie Innenminister Bouffier hatte er sich bei seiner Wahl dazu verpflichtet, für das Wohl der Bürger zu sorgen...

Vereine leisten wichtige gesellschaftliche Basisarbeit und entlasten damit wesentlich die Kommune bei ihren sozialen Aufgaben. Die finanziellen Rücklagen der Vereine sind aber sehr begrenzt. Alle Funktion und Tätigkeiten werden von den Mitgliedern im Ehrenamt erbracht, die oft genug durch ihre Mitgliedsbeiträge noch Geld dafür mitbringen müssen. Jede noch so kleine Änderung der Finanzstruktur schlägt sofort auf die Mitglieder durch. Sei es durch Veränderungen im Angebot oder eben in zwangsläufigen Beitragserhöhungen. Leidtragende sind einmal mehr Familien mit geringen Einkommen, die sich wohl in Zukunft zwei Mal überlegen müssen, ob sie die erhöhten Vereinsbeiträge aufbringen können.

Für die Vereine ist es ein interessantes Gedankenspiel, ihre ehrenamtliche Arbeit für eine Woche einzustellen und in den Streik zu treten. Keine Übungsstunde der Purzelbaumgruppe für die Kleinsten. Keine Kinderbetreuung, damit ihre Mütter mal zwei Stunden für sich haben. Keine Sportwettkämpfe am Wochenende. Keine Betreuung alter und kranker Menschen durch die Sozialorganisationen. Keine Gesangsstunde ...

Herr Staatsminister Bouffier, Herr Dr. Nordhoff, übernehmen Sie die Verantwortung, wenn das Vereins- und Kulturleben außerhalb der städtischen Bühnen in Frankfurt stirbt?

Für weitere Informationen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung:

Thomas Sittler
Vorsitzender

Stadtverband Frankfurter Vereinsringe e.V.
Mittelseestr. 32
60386 Frankfurt am Main
Tel. (0 69) 4 28 80 08 oder
Tel. (0 69) 7 58 04-3 15
Fax (0 69) 4 28 80 06
E-Mail: t.sittler@stadtverband.de